Allgemeine Informationen 

 
Ohne Augenlicht leben zu müssen, ist für die meisten sehenden Menschen eine schlimme Vorstellung. In einer von der optischen Wahrnehmung dominierten Welt der Bilder und Zeichen bedeutet Blindheit oder starke Sehbehinderung  weitgehenden Ausschluss aus entscheidenden Bereichen unseres modernen Lebens. Das Schicksal einer erheblichen Sehbehinderung oder gar Erblindung kann dennoch jeden treffen, sei es durch Krankheit, Unfall oder im Alter.

Als "blind" müssen alle Menschen angesehen werden, deren Sehvermögen auf dem besseren Auge nur
noch 2 % (1/50) des normalen Sehens beträgt. Das betrifft in Sachsen-Anhalt immerhin rund 4.500 Menschen, dazu kommen mehr als 10.000 erheblich Sehbehinderte, die noch über einen gewissen Sehrest verfügen, aber dennoch in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Nur jeder fünfte unter den Betroffenen ist bereits von Geburt bzw. seit dem Kinder- oder Jugendalter sehbehindert oder blind. Die meisten ereilt dieses Schicksal im fortgeschrittenen Lebensalter (rund 70 % der Blinden sind im Rentenalter). Je später jedoch die Erblindung eintritt, desto schwieriger ist es erfahrungsgemäß für die Betroffenen, sich mit ihrem Schicksal abzufinden und mit der Behinderung zu leben, vor allem, wenn die Erblindung plötzlich oder in kurzer Zeit eintritt.

Eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung des Lebens spielt das persönliche Umfeld, insbesondere der Halt in Familie oder Partnerschaft. Leider wird die Rehabilitation späterblindeter und altersblinder Menschen in Deutschland sehr stiefmütterlich behandelt und der Eigeninitiative überlassen. Klar definierte Programme oder Spezialeinrichtungen dafür gibt es kaum, mit Ausnahme von Angeboten der beruflichen Rehabilitation bzw. Umschulung.

Einziger Ansprechpartner ist für viele dann nur der Blinden- und Sehbehinderten-Verband.

Seit rund 135 Jahren warten Blinde und Sehbehinderte nicht mehr nur auf die Hilfe des Staates und der öffentlichen Wohlfahrt, sondern schließen sich in Vereinen zusammen, um einander zu helfen, ihre Erfahrungen auszutauschen und aus der Isolation an die Öffentlichkeit zu treten. Es ist der Verdienst der Selbsthilfeorganisationen der blinden Menschen, Bildungs- und soziale Existenzmöglichkeiten für die Betroffenen erkämpft zu haben.

In Sachsen-Anhalt widmet sich der Blinden- und Sehbehinderten-Verband Sachsen-Anhalt e. V. diesen Aufgaben. Er wurde am 3. November 1990 als gemeinnütziger Selbsthilfeverband gegründet und zählt heute rund 1.200 Mitglieder. Der Verband ist Mitglied im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V - Spitzenverband der Bundesrepublik Deutschland - (DBSV) und im Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen-Anhalt e. V. Unsere Arbeit beruht weitgehend auf dem Engagement von ca. 200 ehrenamtlichen Mitarbeitern und Helfern, die selbst blind oder sehbehindert sind. Sie beraten und betreuen unsere Mitglieder in den rund 100 Selbsthilfegruppen des Verbandes in den Landkreisen und kreisfreien Städten im Land Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen der Meinungs- und Gedankenaustausch untereinander sowie die Organisation von Begegnungen, Veranstaltungen und Ausflügen.

Unser Verband bietet allen ratsuchenden blinden und sehbehinderten Menschen sowie ihren Angehörigen auch professionelle Beratung und Hilfe. Er verfügt über vier regionale Beratungsstellen in Halle, Magdeburg, Dessau und Stendal. Hier arbeiten erfahrene Mitarbeiter. Sie beraten über alle Fragen und Probleme, die mit Blindheit und Sehbehinderung in Zusammenhang stehen und helfen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten mit Behörden und Sozialleistungsträgern. Bei Bedarf kommen sie auch ins Haus.

Übrigens finanzieren wir unsere Arbeit überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.
Darüber hinaus fördern das Land Sachsen-Anhalt und einige Landkreise bzw. Städte die Arbeit unserer regionalen Beratungsstellen.

Die letzte Änderung erfolgte am 27.05.15